Das Große Theater in Pompeji

von Melanie Beck

 
Das Theater Pompejis wurde im zweiten Jahrhundert vor Christus erbaut; Marcus Holconius Rufus und Marcus Holconius Celer ließen es ca. 2 n.Chr. restaurieren. Dies geht aus einer Inschrift im Theater hervor (M.M. Holconii Rufus et Celer cryptam, tribunalia, theatrum s(ua) p(ecunia) - Rufus und Celer erbauten Gang, Logen und Sitzreihen auf eigene Kosten). Die Brüder gehörten in Pompeji einer durch Weinbau reich gewordenen und angesehenen Familie an und hatten hohe politische Stellungen inne. M. Holconius Rufus war wiederholt auch duumvir. Ihnen wurden bei der Restaurierung auch Statuen im Theater errichtet. 
Architekt während der Restaurierungen war Marcus Artorius Primus, ein Freigelassener; eine Inschrift hierfür befindet sich beim östlichen Eingang zum orchestra (M. Artorius M. l(ibertus) Primus, architectus). 



Das Theater befindet sich an dem Hang, auf dem auch der Dorische Tempel erbaut ist. Diese Lage war typisch für den griechischen Baustil, da das natürliche Gefälle für den Bau der Tribüne genutzt werden konnte. Auch die Nähe zu einem Heiligtum war üblich, da so der religiöse Einfluss auf die Aufführungen deutlich werden sollte.


Nicht nur in der Lage, sondern auch in der Architektur des Theaters werden griechische Einflüsse deutlich; so ist die vor der Bühne liegende orchestra (Tanzplatz) in Hufeisenform angelegt und nicht in Halbkreisform, wie es für römische Architektur üblich war. Diese orchestra erreicht man über zwei Zugänge, die parodoi. Sie verbinden das Theater sowohl mit der Via die Stabia als auch mit dem Foro Triangolare. Auf dem Gewölbe lagen Stufen, worauf sich die tribunalia befanden: Ehrenplätze, von denen man einen direkten Blick auf die Bühne hatte.
Zwischen den beiden parodoi, die in etwa gegenüber liegend sind, befindet sich die cavea, der Zuschauerraum. Dieser Rang kann in drei Abschnitte eingeteilt werden. Die untersten vier Sitzreihen bilden die cavea ima; hier befanden sich die Plätze für die Decurionen. Darüber ist die media cavea mit zwanzig Sitzreihen angelegt. Die Plätze der untersten Reihe waren sowohl für Vertreter der Zünfte als auch für Marcus Holconius Rufus reserviert. Die restlichen neunzehn Sitzreihen sowie die vier Sitzreihen der darüberliegenden summa cavea waren für das einfache Volk bestimmt.
Gegenüber der cavea befindet sich die Bühne, das proskenion. Es ist knapp einen Meter hoch und kann vom orchestra aus über zwei Treppchen erreicht werden. Dahinter erhebt sich die Bühnenfront, die scaena frontis. Sie stellte einen fürstlichen, mit Säulen geschmückten Palast dar; es waren drei Türen eingearbeitet, die in einen weiteren Raum führten, der womöglich als Umkleideraum diente. Von hier aus konnte man in den hinter dem Theater liegenden Hof gelangen.

18.12.2001