MESSALINA
Messalina war die dritte Ehefrau Claudius'. Ihre Eltern waren beide Enkel der Octavia und somit Cousin und Cousine. Sie kam um 25 nach Christi zur Welt.
| Domitia Lepida OO Marcus Valerius Messala
Barbatus | | | | Valeria Messalina OO Claudius | | _______ | ______ | | Claudia Octavia Britannicus |
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Wie und warum es zur Hochzeit zwischen ihr und Claudius kam, ist nicht bekannt.
Bekannt ist nur, daß sie sich über
Caligula
kennenlernten. Zur Zeit ihrer Hochzeit war Messalina
etwa 15, Claudius dagegen fast 50 Jahre alt. Ein gegensätzliches Paar
also, denn während Claudius ein von seinen Krankheiten gekennzeichneter,
alter Mann war, galt Messalina als herbe Schönheit mit schwarzen, gewellten
Haaren, die bereits bei dem ersten Festessen, das Claudius als Kaiser gab,
großen Reiz auf die Gäste ausübte. Die Hochzeit fand also
um das Jahr 39 statt und bereits Anfang 40 gebar Messalina ihr erstes Kind,
Octavia genannt, und schon wenige Monate später, im Februar 41, kam
ihr Sohn Britannicus (eigentlich Germanicus) zur Welt. Doch in der Zwischenzeit
hatte sich etwas ereignet, das ihr ganzes Leben verändern sollte: Claudius
wurde durch den Staatsstreich im Januar
41 Kaiser und sie somit die Frau des wohl mächtigsten Mannes der Welt,
der ihr noch dazu vor allem in den ersten Ehejahren hoffnungslos verfallen
war.
Innerhalb von zwei Jahren hatte sich das Blatt für
Messalina gänzlich gewandelt. Aus dem Mann, den Caligula nur am Leben
ließ, um sich über ihn lustig zu machen und der als verblödet
galt, war der Kaiser geworden, und sie hatte ihm einen möglichen Thronfolger
geboren. Mit 16 Jahren stand sie schon im Zenit der Macht und begann, sich
zu langweilen, da das Palastleben nur still vor sich hinlief und ihr Mann
viel zu sehr von den Regierungsgeschäften in Anspruch genommen wurde,
als daß er sich genug um seine Frau hätte kümmern können.
So fing Messalina, die mit einem launischen und impulsiven Charakter
ausgestattet, gleichzeitig aber auch unsicher und empfindlich in ihren
Gefühlen war, sich zu zerstreuen: Sie gab Bankette und Feste, die schon
bald in jeglicher Art zu Orgien ausuferten und ihr den Ruf ungezügelter
und unersättlicher Lust gaben. Tatsächlich hatte sie etliche Liebhaber,
darunter den Mimen Mnester.
Doch nicht nur in dieser Hinsicht betrog und belog Messalina
Claudius: Sie fing an, unter dem Einfluß des griechischen
Freigelassenen
Narcissus, der eine sehr mächtige Position innehatte,
das römische Bürgerrecht zu verkaufen, indem sie ihren Mann, der
dies eigentlich nur verdienten Mitgliedern der Provinzen verlieh, zu bestimmten
Personen hin beeinflußte, von denen Narcissus dafür Geld kassierte.
Auch Gerichtsurteile konnte man in gleicher Weise von den beiden
erkaufen.
Aber nicht nur so setzte Messalina ihre Macht ein: Sie
ließ im Laufe der Zeit auch viele Menschen töten, tw. aus den
nichtigsten Gründen. So mußte ihre Cousine
Livilla z.B. nur deshalb sterben, weil sich Messalina
von ihr nicht genug beachtet fühlte. Dabei schob sie immer Claudius
vor, dem sie einredete, dieser oder jener habe ein Verbrechen wie Ehebruch
begangen oder einen Angriff auf ihn vorgehabt, wodurch die Todesurteile einen
offiziellen Anstrich bekamen.
Doch trotz ihrer zahlreichen Liebschaften und dem durch
das erpreßte Geld möglichen, aufwendigen Lebensstil war Messalina
nicht glücklich. Sie war voller Unruhe und Nervosität, und ihr
Herz, das sich eigentlich ganz einfach nur nach Liebe sehnte, hatte sich
verhärtet. So fing sie an, sich selbst zu erniedrigen: Sie prostituierte
sich heimlich nachts unter dem Namen Licisca und verkaufte sich dabei an
jeden beliebigen.
Jeder im Volk kannte ihren Lebenswandel. Ihr und dadurch
auch Claudius' Ansehen sank drastisch. Aber gerade Claudius, der dem ganzen
hätte Einhalt gebieten können, reagierte überhaupt nicht.
Weshalb? Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wußte er nichts
über die Schandtaten seiner Frau, zumal er mit Regierungsgeschäften
viel zu beschäftigt war und Messalina wußte, wie sie sich ihn
vom Hals halten konnte (sie schickte ihm sogar ihre Sklavinnen, damit er
sich sexuell mit ihnen und nicht mit ihr befriedigte) und außerdem
vertraute er ihr maßlos. Oder er verschloß bewußt vor alle
dem die Augen, um seine "intakte" Familie nicht zu verlieren. Wahrscheinlich
ist eine Mischung von beidem, die natürlich auch von seiner
Leichtgläubigkeit profitierte. Anders kann man nicht erklären,
wieso Claudius auch die schlimmste Schandtat seiner Frau ihm gegenüber
nicht vereitelte.
Gaius Silius wurde als der schönste Mann Roms
bezeichnet. Messalina verliebte sich unsterblich in ihn. Sie lebte mit ihm
im Kreise ihrer Freunde wie ein Ehepaar. Ihre Leidenschaft zu Silius war
zerstörerisch, zügellos und skandalös. Um eine ihr genehme
Unterkunft für ihn zu besorgen, ließ sie Asiaticus, einen angesehenen
Bürger Roms, wegen Ehebruchs zum Tode verurteilen, da er die Gärten
des Lucullus (eine sehr schöne Gartenanlage mit Villa) besaß,
in die Silius dann auch bald einzog. Doch diese Beziehung zu Silius reichte
Messalina bald nicht mehr: Sie wollte ihn heiraten. Diese unmöglich
scheinende Vorhaben wurde verwirklicht, als Claudius sich in Ostia aufhielt.
Zuvor hatte Messalina ihn zur Scheidung überredet, indem sie ihm einredete,
sie habe geträumt, ihr Mann würde sterben. Da die Römer sehr
viel Gewicht in Träume legten, bekam es Claudius mit der Angst zu tun.
Aber Messalina hatte schon einen "Ausweg" parat: Sie müßten sich
scheiden lassen, so daß sie einen anderen heiraten könnte, der
dann als ihr Mann stürbe. Claudius stimmte dieser Idee zu. Als Claudius
in Ostia weilte, wurde ihm durch seine Mätressen gesteckt, daß
Messalina und Silius einen Mordanschlag auf ihn vorhätten, um selbst
die Macht zu übernehmen. Hinter diesem Komplott gegen die beiden stand
Narcissus, der inzwischen von Messalina verschmäht worden war und nun
Rache nehmen konnte. Diesen Plan zum Mordanschlag hat es tatsächlich
gegeben, nur war er so stümperhaft angelegt, daß er nicht
funktionieren konnte und von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Nachdem
er dies erfahren hatte, eilte Claudius nach Rom zurück, wo inzwischen
alle Teilnehmer der Hochzeit bei einem Fest verhaftet worden waren. Der
Großteil wurde sofort zum Tode verurteilt wie auch Silius. Messalina
aber wollte der Kaiser noch einmal anhören, und es schien fast so, als
würde er ihr noch einmal verzeihen. Dies wußte Narcissus aber
zu verhindern, indem er Messalina angeblich auf Befehl des Kaisers töten
ließ. Als Claudius davon erfuhr, sah er nicht einmal von seinem Essen
auf. Dies geschah 48, Messalina wurde also nur 23 Jahre
alt.
Claudius heiratete bald darauf
auf Anraten seiner Berater seine Nichte
Agrippina,
deren Sohn Nero, der schon immer beim Volk beliebter
war als Claudius' Sohn, der nächste Kaiser werden sollte. Seinen eigenen
Kindern war kein schönes Schicksal beschieden: Britannicus wurde 55
vergiftet, Octavia, die Nero heiratete, wurde von diesem verstoßen
und 62 grausam getötet (Neros nächste Frau erhielt ihren Kopf als
"Liebesbeweis").
So blieb nichts mehr von Messalina als ihr bis
in die Gegenwart bestehender Ruf als sittenlose und grausame
Kaiserin.