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Es war Sitte, vorher oder kurz vor Beginn des Rennens Wetten über den Sieg abzuschließen, wobei die Ärmeren ihre Sparpfennige, die Reichen aber
oft enorme Summen setzten.
Wenn der Spielgeber durch Fallenlassen eines Tuches das Startsignal gab, stürzten die Gespanne aus ihren Boxen, die durch eiserne Gittertüren
verschlossen waren. Auf den Boden gemalte Linien hinderten die Lenker auf den ersten 170 Metern daran, die Bahnen zu kreuzen. Danach durfte man andere Wagen überholen und abdrängen. Oft kam es zu Karambolagen,
Achsbrüchen und Unfällen, die zu schweren Verletzungen und Todesstürzen führten. Dieses passierte vor allem in den gefürchteten Linkskurven, da man hier nur mit großer Geschicklichkeit nicht stürzte.
Nach sieben Runden (ca. 8,5 km) war das Ziel erreicht. Der Sieger begab sich in eine Ehrenrunde. So dauerte ein Rennen meist eine Viertelstunde.
Es ging einzig darum, welches Gespann als erstes über die Ziellinie ging. Ob der Lenker dabei noch im Wagen stand, war nicht so wichtig.
Der Sieger konnte hohe Preisgelder (Siegesprämien zwischen 15000 und 60000 Sesterzen pro Rennen) erreichen, da das Risiko hoch war, sich beim
Rennen zu verletzen oder gar zu Tode zu stürzen. Der ideale Siegespreis bestand aus einem Palmenzweig oder grünen Kranz. Betrachtet man sein Vermögen, kann man einen siegreichen Wagenlenker mit den heutigen
Formel-1-Piloten vergleichen.
Es gab vier nach Farben benannte Rennställe, die bei allen Rennen miteinander konkurrierten (bis zu drei Wagen eines Rennstalles nahmen an einem
Rennen teil): die Grüne (prasina, in der Farbe des Frühlings), die Rote (russata, in der Farbe des Sommers), die Blaue (veneta, in der Farbe des Herbstes) und die Weiße (alba, in der
Farbe des Winters). Kaiser Domitian erhöhte die Zahl der Rennställe kurzfristig auf sechs, indem er eine goldene (aurea) und eine silberne
(argentea) Mannschaft hinzufügte, die sich aber nicht lange hielten.
Diese Parteien (factiones) verfügten über eigene Ställe, Materialschuppen, Trainingszentren, Pferde, Wagenlenker, Hilfspersonal und wurden vom
Rennveranstalter, in der Regel ein Konsul, Prätor oder Ädil, beschäftigt. Ihre Anhängerschaft verfestigte sich und identifizierte sich völlig mit den Wagenlenkern ihrer Farbe und deren Farben. Viele Römer nahmen
leidenschaftlich Stellung für eine bestimmte Partei ein und bangten um ihren Sieg.
Man wollte seine Partei siegen sehen, sich im Freudentaumel mit Fans aus dem eigenen Lager gehen lassen und die Triumphe über die verhassten
anderen Farben genießen.
Zu Cäsars Zeiten fanden ab und zu auch andere Spektakel statt (unteranderem Hetzjagden mit Raubtieren oder sogar nachgestellte Schlachten mit
tausenden von Menschen und Elefanten).
Das bedeutendste Wagenrennen wurde anlässlich der Ludi Romani oder Großen Spiele abgehalten. Die Bedeutung dieser Rennen im Leben der Römer stieg immer weiter an, bis sie ihren Höhepunkt in der Mitte des 4. Jahrhunderts. Zu
diesem Zeitpunkt nahmen die vier Mannschaften der Wettfahrer das Verhalten der rivalisierenden Parteien an, und die Rennen verliefen in einer zunehmend gespannten und aufgeheizten Atmosphäre, die manchmal zu
Ausbrüchen von Massenwahn ausartete.
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